Vajont

Die 265 m hohe, an der Krone 190 m lange, doppelt gekrümmte Bogenstaumauer im Vajonttal, nahe der Ortschaft Longarone im Piavetal, wurde 1960 vollendet. Die sehr schlanke Mauer (3,4 m an der Krone, 22,7 m an der Gründungssohle) ist noch heute die Fünfte der höchsten Staumauern der Welt, allerdings ist die Talsperre außer Betrieb.
Die Vajont-Katastrophe ist von historischer Bedeutung  für den gesamten Talsperrenbau. Der Bericht aus [ICOLD: Lesson from Damm Incidents; 1974] ist im Folgenden wiedergegeben:


“Während der ersten Füllung des Speichers im Herbst 1960 wurden unerwartet Kriechbewegungen an einer großen Zone am linken Talsperrenufer, in Mauernähe, mit einem Gleitvolumen von 700.000 m³ beobachtet. Entlang eines W-förmigen Risses begann eine Felsmasse von 2000 m Länge und 1200 m Breite mit einer Spitzengeschwindigkeit von 4 cm je Tag zu kriechen. Aufgrund dieser Beobachtungen wurde der Speicherspiegel langsam abgesenkt, die Kriechbewegungen kamen einige Wochen danach zur Ruhe.


Im Sommer 1962, nachdem ein Drainagetunnel im Bereich der Gleitfläche gebaut worden war, wurde der Speicherspiegel wiederum angehoben. Bis zum höchsten Spiegel von 1960 (650 m ü. NN) ereigneten sich keine weiteren Bewegungen und erst, nachdem ein Stau 50 m unter Mauerkrone, d h. 25 m höher als 1960 erreicht worden waren, begann die Felsmasse erneut zu kriechen mit einer Geschwindigkeit von weniger als 0,2 cm je Tag. Als dann der Wasserspiegel eine Höhe von 26 m unter der Mauerkrone, also ca. 50 m über dem höchsten Stau von 1960 erreichte, stieg die Kriechgeschwindigkeit auf 1,5 cm je Tag. Der Speicherspiegel wurde dann langsam wieder heruntergefahren und das Kriechen kam nach 4 Monaten zum Stillstand.
 
Im Sommer 1963 wurde der Speicherspiegel erneut angehoben. Als er 50 m unter der Staumauerkrone lag, begann das Kriechen von Neuem, zunächst mit einer Geschwindigkeit von 1 cm je Tag, aber beschleunigend, als der Stauspiegel die Marke 15 m unter der Mauerkrone erreichte. Eine geringfügige Absenkung des Speicherspiegels vermochte nicht, die Gleitgeschwindigkeit zu verringern. Sie stieg vielmehr auf 20 cm je Tag am letzten Tag vor der Katastrophe.
 

Im Oktober 1963 veränderte sich das Kriechen plötzlich in eine Gleitbewegung mit 25 m/s. Eine Felsmasse von etwa 250 Mio. m³, der größte Teil aus dem Bereich der horizontalen Lagerung, der kleinere Teil vom steilen Hang des Monte Toc, bewegte sich über eine horizontale Entfernung von 400 m und überwand dabei bereichsweise auch die 90 m breite Vajontschlucht. Sie verdrängte 40 Mio. m³ Wasser, welches bis zu 260 m über Stauziel anstieg, die Mauer überflutete, durch die Schlucht in das Piavetal hinausschoss und Longarone und drei weitere Dörfer vollständig zerstörte. Mehr als 1700 Menschen verloren ihr Leben

Die Mauer selbst und ihre Widerlager wurden nicht wesentlich beschädigt.”

Im Folgenden einige Bilder des jetzigen (2008) Zustands:
 

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